Faszinierende Naturkosmetik

Schön sein, jung und gesund aussehen wollten die Menschen schon immer. Das bezeugen Wandmalereien, Inschriften und Statuen aus dem Altertum. Zu den bekanntesten und schönsten Abbildungen zählen wohl die ägyptischen Wandmalereien aus Theben. Frauen mit schön geschwungenen tiefschwarze Augenumrandungen und duftverbreitenden Salbkegeln auf dem Kopf, zeugen von dem tiefen Schönheitssinn und dem Bedürfnis, aus einem Sterblichen einen verehrungswürdigen Überirdischen zu machen. Salbentöpfchen und Schminkzubehör finden sich in den Grabbeigaben vieler antiker Völker. Aus dem Grab der Pharaonin Hatschepsut stammt ein kleines Gefäß, das bis heute ungeöffnet auf die Analyse der Ingredienzien wartet. - Kosmetik, die Kunst des Ordnens und Schmückens, war ein Synonym für die Zierde der Großen und Ehrwürdigen, der Könige, Damen und Kurtisanen und wohl auch der einfachen Menschen, soweit für sie erschwinglich. Kosmetik war das äußere Zeichen des Geistes, der der Welt des Alltäglichen Ordnung und Status schenkte, Wohlbefinden und Selbstbewußtsein. Kosmetik war nicht nur ästhetisch wichtig, sondern hatte auch den Zweck, vor Hautkrankheiten und atmosphärischen Einwirkungen zu schützen, wie das schwarze Kajal aus Ruß und Butterschmalz, das Inder und Nordafrikaner zur Augenumrandung heute noch verwenden. Henna zur Rotfärbung der Hände ist im Orient schick, wird aber bis heute auch wegen seiner desinfizierenden Wirkung benutzt. Myrrhen- und Lilienöl waren in der Antike angesagte Essenzen. In dem Papyrus E. Smith über die medizinische Heilkunst der alten Ägypter wird das Wundermittel „Hemait“ beschrieben, das aus Früchten bestand und von der Beseitigung von Hautflecken, Unreinheiten und Entzündungen der Haut praktisch alles kann. Es liest sich wie ein Werbetext: „Vorzüglich und unzählige Male erprobt“. In einem Priestergrab bei Luxor fand man den Hinweis auf „Baumharz und bestes Salbenöl“, das an die Nase gerieben wurde, wohl für eine atemwegsbefreiende Wirkung. Auch im alten Rom stand nicht nur der schöne äußere Schein im Vordergrund. So schreibt der Dichters Ovid: „Pflege (cura) macht das Gesicht erst schön“. Bei ihm gibt es auch den Hinweis auf eine Gesichtsmaske aus Gerste, Erve, Hirschhorn, Narzissenknollen, Zwiebeln und Honig.

Bienenwachs, Nußöl, Rindertalg - diese Substanzen wurden bis ins Mittelater benutzt. Ähnliche Ingredienzien mag auch Hildegard von Bingen für ihre regenerierenden Salben und Cremes benutzt haben, zu denen sie außerdem Lilie, Rose, Salbei, Quendel, Bertram, Galgant, Schafgarbe, Lavendel zum Schutz vor Hautleiden und bei Verletzungen beimischte. Bei Hildegard steht jedoch immer die Heilung von innen im Vordergrund, allem voran der Verzehr von Dinkel. Konservierungsstoffe für Salben waren nicht nötig, da die verwendeten Pflanzen mit ihren eignen Gerbstoffen vor zu schnellem Ranzigwerden schützten. Heute wie damals sind die Grundbestandteile einer pflegenden Creme: Öl, Wasser, ein Emulgator und Duftessenzen, wobei die heutige Generation als wesentlichen Bestandteil Substanzen hinzunimmt, die tiefer in die Haut eindringen, wo sie die Zellerneuerung und -reparatur anstoßen können. Dazu gehören Vitamine, Eiweißbaustoffe und Pflanzenhormone. Sie regen die Kollagenbildung an und blockieren bestimmte Enzyme, die Elastizität abbauen. Die Hyaluronsäure ist einer der zur Zeit beliebtesten Auffüller für die obere Hautschicht. Hinzugefügte Saponine regen die Bildung der Wasser speichernden und deshalb aufpolsternden Hyaluronsäure an. Zum Glück sind alle diese Wirkstoffe heute sattsam erprobt, so daß längst keine Tierversuche mehr nötig sind und man seine Traumcreme guten Gewissens kaufen kann. Übrigens: Die Traumcreme wirkt noch intensiver, wenn man ausreichend Wasser trinkt, vitamin- und mineralienreich ißt und sich öfters am Tag an der frischen Luft bewegt. Einfach ausprobieren!


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